Neus Zapata: "Bei allen Restaurierungsarbeiten an der Casa Batlló entdeckt man unglaubliche Dinge"

Neus Zapata arbeitet seit 32 Jahren als Restaurateurin. Seit den Neunzigerjahren zählt sie zu den Geschäftsinhabern des Erhaltungs- und Restaurierungsunternehmens ECRA S.L.. Derzeit stellt sie sich einer der reizvollsten Herausforderungen ihrer Karriere: Der Restaurierung der Casa Batlló.

Was bedeutet es für Sie, als Restaurateurin an der Casa Battló zu arbeiten?Momentan ist das eine riesige Herausforderung für mich. Mein Unternehmen arbeitet seit Jahren an der Casa Batlló und derzeit gibt es an vielen Stellen zu tun. Außerdem liegt mir die Casa Batlló besonders am Herzen. Schon als kleines Mädchen fuhr ich mit dem Auto meiner Eltern an dem Gebäude vorbei und war fasziniert von seiner Fassade. Es wirkte auf mich wie ein Spielzeughaus. Früher waren die Balkone schwarz, was dem Gebäude ein gespenstisches Aussehen verlieh. Ich war regelrecht hypnotisiert davon.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?Normalerweise stehe ich an vorderster Front. Obwohl ich Geschäftsführerin bin und wir mit Partnern zusammenarbeiten, restauriere ich fast immer selbst. Es ist sehr wichtig, selbst Hand ans Werk zu legen: So kann man den Arbeitsrhythmus festlegen, richtig planen, Lösungen für Unvorhergesehenes finden … und alles läuft besser.

Wie geht eine Restaurierung normalerweise vonstatten?Zuerst einmal muss man dokumentieren: Informationen sammeln, Bereiche fotografieren und ein Mapping aller Veränderungen erstellen, einen Plan also, in dem alle Beschädigungen an der Oberfläche oder am Restaurationsobjekt eingetragen sind.

Und dann?Wir untersuchen alle Beschädigungen, die an den Verzierungen des Gebäudes entstanden sind, und machen dann Vorschläge zur Vorgehensweise. Normalerweise müssen Analysen vorgenommen werden, aber man muss genau wissen, wonach man sucht. Eine Analyse ist eine Antwort auf eine Fragestellung. Deshalb muss man zuerst darüber nachdenken, wie die Frage oder Hypothese lautet.

Eine richtige Detektivarbeit.Auf jeden Fall! Und anschließend beginnen die Reinigungsarbeiten. Zuerst müssen die Oberflächen gereinigt werden, die im Laufe der Zeit Schaden erlitten haben. Besonders die Fassaden sind davon betroffen, da in Barcelona eine hohe Luftverschmutzung herrscht und die Stadt am Meer liegt. Unsere Priorität ist es, Gebäude zunächst zu erhalten anstatt sie zu restaurieren. Deshalb müssen wir eine präventive Erhaltung vornehmen. Das Material muss sich in gutem Zustand befinden. Durch die Reinigung beugen wir Schäden vor. Allein durch das Absaugen des Staubes auf den Flächen bleiben die Materialien in besserem Zustand.

Und danach?Bei Bedarf folgen dann Materialauffüllungen. Dabei wird das Volumen wiederhergestellt, das im Laufe der Zeit verloren gegangen ist. Und schließlich stellen wir die Farben wieder her. Oft entsprechen die Farben nicht mehr dem Original, also muss man sie am Ende anpassen. Und dann ist da noch die Konsolidierung und der Schutz. Manchmal muss ein restauriertes Objekt mit bestimmten Produkten geschützt werden, damit das Original nicht verfällt.

Unsere Priorität ist es, Gebäude zunächst zu erhalten anstatt sie zu restaurieren

Und woran arbeiten Sie derzeit in der Casa Batlló?Momentan restaurieren wir den Stuck in der Beletage. Nachdem wir mehrere Proben entnommen hatten, entdeckten wir die ursprünglichen Stuckelemente unter mehreren Farbschichten. Die Wände erzählen uns Geschichten. Wenn man die Farbe abträgt, kommen verborgene Informationen zum Vorschein.

Können Sie uns etwas mehr von den Stuckwänden erzählen?Beim Stuck handelt es sich um einen Wandputz, dessen Oberfläche unterschiedlich beschaffen sein kann. In der Regel wird er per Hand aufgetragen und besteht aus zwei Schichten. Die erste besteht aus Kalk, Sand und manchmal aus ein wenig Marmorpulver. Die zweite wird normalerweise aus Kalk und sehr feinem Marmorpulver hergestellt. Allerdings ist der Stuck der Beletage etwas Besonderes: Er ist nicht homogen, weist subtile Farbverläufe auf und ist in allen Räumen unterschiedlich. An den seitlich gelegenen Räumen des Gebäudes sieht man eher erdige und roséfarbene Farbtöne. Im Hauptsaal wiederum, von dem aus man auf den Paseo de Gracia blickt, dominieren Blau- und Grautöne. Die ursprünglichen Wände waren viel heller als die heutigen.

Wie werden die Wände restauriert?Zuerst werden die Schichten manuell mit einem Skalpell abgetragen und anschließendmit einem chemischen Verfahren abgebeizt. Dann reinigen wir die Oberfläche und entfernen den Schmutz. Und schließlich wird das Material aufgefüllt. Vor der Replikation des ursprünglichen Stucks müssen jedoch einige Tests durchgeführt werden. Der Stuck wurde von fachkundigen Stuckateuren analysiert. Die eingesetzte Technik ist zwar nach wie vor ein Mysterium, aber wir können uns in etwa vorstellen, wie gearbeitet wurde.

Vor welche weiteren Herausforderungen stellt Sie diese Restaurierung?Insbesondere ist es schwierig, den Ablauf der Besichtigungen nicht zu stören und diese entsprechend mit den Bauarbeiten zu koordinieren. Die Casa Batllé ist nach wie vor geöffnet und es werden noch andere Bauarbeiten durchgeführt. Deshalb muss man die Arbeitszeit genau im Auge behalten und man verfügt über einen knappen Zeitplan.

Und außerdem arbeiten Sie auf sehr engem Raum.Ja. Manchmal sind wir 6 Personen, die in einem kleinen Raum zusammenarbeiten. Das ist nicht so einfach. Glücklicherweise sind unsere Mitarbeiter sehr engagiert, kennen sich sehr gut mit Gaudí aus und haben bereits viele Restaurationen mitgemacht. Wir lieben unsere Arbeit. Sie ist unsere Leidenschaft, aber auch sehr anstrengend. Unsere Arbeit als Restaurateure von Kulturgütern ist sehr schwer, aber man wird oft reichlich dafür belohnt. Sie ist sehr bereichernd.

Haben Sie zuvor schon einmal an einem Werk von Gaudí gearbeitet?Ja, an vielen: Am Palau Güell, der Colonia Güell, im Parque Güell… Ich habe neben vielen anderen Projekten auch bereits im Pabellón de la Mercè del Hospital de Sant Pau und in der Sommerresidenz von Puig i Cadafalch in Argentona gearbeitet. Aber dieses Gebäude ist etwas ganz Besonderes. Ich genieße es wirklich, hier zu arbeiten. Bei allen Restaurierungsarbeiten an der Casa Batlló entdeckt man unglaubliche Dinge. Immer wieder tritt Neues, Verborgenes zutage. Ich habe bereits an vielen Werken Gaudís gearbeitet, aber bei diesem Gebäude hat man ihm freie Hand gelassen und man spürt, wie er sich hier verwirklichen konnte. Man sieht es überall: An den Farben, den Formen, dem Licht … Dieses Haus unterscheidet sich sehr von seinen anderen Werken. Hier war Gaudí glücklich.

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