Xavier Villanueva: "Die Casa Batlló wird ständig restauriert"

Xavier ist Architekt und Mitglied des Restaurations-Teams der Casa Batlló. Seit 2013 leitet er die Arbeiten der Casa, koordiniert die Maßnahmen zur Erhaltung und Renovierung des Gebäudes und die Einhaltung der Kriterien des Denkmalschutzes in diesem Monument, das zum Weltkulturerbe zählt. In diesem Interview erläutert er uns die Vorgeschichte der Restauration, ihre Fortschritte sowie die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen.

Welche Maßnahmen werden zur Zeit durchgeführt?Wir sind dabei, die Innenverkleidung der Beletage zu restaurieren, das heißt, wir fördern den Originalstuck der Wände und Decken der Hauptetage wieder zu Tage, in der die Familie Batlló wohnte.  Außerdem haben wir mit den Arbeiten zur Erhaltung und Renovierung der Fassade begonnen. Dies ist der sichtbare Teil der Restauration, den die Besucher sehen können. Aber wir renovieren auch zahlreiche funktionale und dekorative Elemente: Lampen, Türen und Fenster, Stützen, Objekte aus Keramik und Eisen…

Wann hat die Planung zur derzeitigen Restauration der Casa Batlló begonnen?Vor 5 Jahren haben wir eine Art Gesamtplan erarbeitet. Dieser bildet den Rahmen dafür, was wir sind, was wir sein möchten, wie wir uns weiterentwickeln müssen und vor allem, welche Kriterien bei den Maßnahmen zum Schutze des Gebäudes und Kulturgutes gelten. Dieses Dokument wurde von den verschiedenen Denkmalschutz-Einrichtungen abgesegnet und ermöglicht es allen, die sich engagieren, die gleichen Kriterien anzuwenden. Eine sehr wichtige Arbeit, die zwei Jahre dauerte, war die Röntgenuntersuchung des Gebäudes von 1875, bevor es zur Casa Batlló wurde, wie wir sie heute kennen.  Auf der Grundlage dieses ersten Dokuments wurden die Maßnahmen definiert, die wir kurz-, mittel- und langfristig durchführen wollen. Zur Zeit arbeiten wir an kurzfristigen Etappenzielen, und diese Phase wird etwa 3 bis 4 Jahre dauern.

Den Besuchern Einblick zu geben ist eine große Herausforderung

Was wurde in dieser Zeit gemacht?Das Wichtigste waren Maßnahmen bezüglich der Wasser- und Stromversorgung, die Verstärkung der Gebäudestruktur und die Verbesserung der Brandmelde- und Feuerlöschsysteme. Zudem wurde auch an der Dachterrasse gearbeitet, um die Umweltverträglichkeit der letzten Maßnahmen zu verbessern… Gerade befinden wir uns an einem sehr schönen und spannenden Punkt, denn wir arbeiten gleichzeitig an der Restauration der Beletage und der Fassade, zwei großartigen Juwelen des Gebäudes.

 

 

Erzählen Sie uns etwas von der Restauration der Fassade.Eigentlich ist es gar keine Restauration, sondern eine Maßnahme, die deren Konservierung und Instandhaltung zum Ziel hat. Die Fassade haben wir in Wirklichkeit 2001 restauriert. Jetzt schauen wir nach, ob alles, was wir vor 17 Jahren gemacht haben, sich adäquat verhalten hat, und überprüfen, ob keine neuen Schäden entstanden sind.

Wie wird diese Überprüfung durchgeführt?Indem wir an der Fassade lauschen. Dazu klopfen wir vorsichtig an der Fassade, um allfällige Echoeffekte festzustellen. Wo ein Echo zu hören ist, gibt es ein Problem. Es bedeutet, dass die gewellte, von Gaudí angebrachte Beschichtung sich von der ursprünglichen Fassade ablöst. In diesem Fall muss die ausgebessert werden.

Und die folgenden Phasen?Zuerst reinigen wir die Fassade. Dabei entfernen wir zu 100 % die Verunreinigungen, hauptsächlich Staub und Umweltverschmutzung. Auch die Balkone werden wir restaurieren, und zwar sowohl die Bauelemente aus Stein als auch die gusseisernen Geländer. Dann schützen wir die fünf Arten von Elementen der Fassade, die aus Keramik, Stein, Holz, Glas und Eisen bestehen. Jedes Material erfordert eine spezifische Behandlung.

Welches sind die Herausforderungen bei der Arbeit an der Fassade?So viel wie möglich vom Original ans Licht zu holen und die äußeren Bauelemente vor dem natürlichen Zerfall zu schützen. Außerdem haben wir einen Rundgang eingerichtet, bei dem die Besucher auf einem Baugerüst gehen und die Fassade aus der Nähe anschauen und wahrnehmen können… Eine einzigartige Erfahrung, die wir zudem im oberen Teil, in einem der bekanntesten und spektakulärsten Bereiche des Hauses anbieten.

Und welches sind die Herausforderungen bei der Beletage?Viele. An erster Stelle die Qualität des Stucks, sein Herstellungsverfahren und seine farbliche Vielfalt. In einem Saal finden wir Orange- und Rottöne, in einem anderen sind es rosarote und in einem weiteren Grau- und Blautöne… Jeder Raum, den wir restaurieren, ist anders und ist in der Vergangenheit in verschiedenem Maße verändert worden, was das Vorgehen schwieriger macht.  Außerdem sind da die Herausforderungen, die wir in Echtzeit erleben. Sie können sich denken, dass die Explorationen, die während des Untersuchungsablaufs vorgenommen wurden, punktueller Art waren. Ein kleines Stück Wand zu analysieren ist eins, einen ganzen Raum zu restaurieren etwas anderes. In diesem Sinne arbeiten und entdecken wir gleichzeitig, und es gibt immer wieder Überraschungen. Deshalb haben wir die kulturelle Besichtigung mit einem Einblick in die Restauration verbunden. Wir möchten die Besucher in Echtzeit an den Entdeckungen, die wir machen, teilhaben lassen.

Eine zusätzliche Herausforderung, nicht wahr?Ja, den Besuchern Einblick zu geben ist eine große Herausforderung. Wir restaurieren jeden Saal zu einem anderen Zeitpunkt, und die Interventionen müssen genau geplant werden… Außerdem haben wir verschiedene Aktionen vorbereitet, um die Restauration zu erläutern und sichtbar zu machen.

Welche Aktionen sind das?Wir haben Zimmerdecken mit runden Fenstern angebracht, damit die Besucher sehen können, wie das Restaurations-Team arbeitet, und verschiedene transparente Tunnels gebaut, von denen aus man ganz ins Geschehen eintauchen kann. Wir verfügen über Tablets mit Informationen, verschiedene Streamings, die das Vorgehen live zeigen, und spezifisch geschultes Personal, das den Besuchern Fragen jeder Art zur Restauration beantwortet.

Und wann wird die Restauration beendet sein?Nie! Die Casa Batlló wird ständig restauriert. Auf diese Phase folgen viele weitere. Wie ich Ihnen schon sagte, sind dies die ersten Etappen eines viel umfangreicheren Projektes. Außerdem gibt es in der Casa noch viele Geheimnisse zu lüften. Jedes Mal, wenn man irgendwo ein Loch macht, trifft man auf eine Überraschung.

Und zum Schluss: Welches sind die nächsten Schritte?Nun, im Moment kann ich dazu noch nichts sagen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es überraschende Schritte sind, die sowohl die Qualität des Besuches als auch den Erhalt der Casa verbessern werden.

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